Geschichtliches aus der Musikgemeinde Nauheim

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Nauheim wurde erstmals im Lorscher Codex 830/850 erwähnt, die Siedlung dürfte aber älter sein. Nach häufigem Herrschaftswechsel gehörte Nauheim ab 1468 dem Grafen von Isenburg-Büdingen und wurde 1600 mit Kelsterbach an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt verkauft. Seit 1539 evangelische Gemeinde. 1588 Rathausbau. Neben land- und forstwirtschaflicher Tätigkeit wurde Handel auf dem Mainzer Markt und Leineweberei betrieben; wirtschafliche Not zwang jedoch 1853 viele Nauheimer zum Auswandern nach Amerika.

Die Leinenweberei "verewigte" sich übrigens im Nauheimer Wappen (Wäschebleuel), im Flurnamen "Tuchbleiche" und dem Straßennamen "Bleichstraße".

Die fortschreitende Industrialisierung und die damit verbundene Ansiedlung von Betieben in der Umgebung strukturierte die Gemeinde von der landwirtschaftlichen Orientierung zur Arbeiterwohngemeinde um. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine Bevölkerungsgruppe aus dem Sudetenland, die ihren heimischen Musikinstrumentenbau mitbrachte und weiterentwickelte, in Nauheim Aufnahme. Die günstige Verkehrslage förderte weitere Industrie- und Gewerbeansiedlungen.

Die Chronik in 2 Bänden (siehe Bilder unterhalb) gab es in einer limitierten Auflage und ist leider restlos vergriffen.

 

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1962 wurde von an der Heimatpflege interessierten Bürgerinnen und Bürgern das Heimatmusem Nauheim gegründet. Hier werden unter anderem Gegenstände bäuerlichen Brauchtums, die Geschichte des Handwerks, die Erzgebirgische Heimatstube sowie die Musikinstrumentenabteilung mit nahezu 200 Instrumenten der verschiedensten Zeitepochen dargestellt.

 

Die Römer in Nauheim

 

Die Römer in Südhessen


Seit Abschluss der Eroberung Galliens 52/51 v. Chr. bildete der Rhein die Nordwestgrenze des Römischen Reiches. Unter Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) und Tiberius (14-37) besetzten erstmals Truppenverbände ab 12/10 v. Chr. Teile des rechtsrheinischen Germanien bis an Weser und Elbe. Als Basis ihres Heeres nutzten die Römer dafür neben großen Lagern am Niederrhein auch den Stützpunkt in Mainz. Zahlreiche Militäranlagen dieser Zeit sind heute bekannt und belegen die massive militärische Präsenz Roms im Germanien der Zeitenwende.

 

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Die besetzten Gebiete wurden nach der Niederlage des Varus 9 n. Chr. geräumt, der Rhein wieder zur Reichsgrenze. In Südhessen siedelten sich um 10/20 n. Chr. mit Duldung der römischen Verwaltung Germanen aus dem Elbegebiet an. Ihre Gräber finden sich in Groß-Gerau und in der Nauheimer Flur "Seichböhl". Feldzüge unter den Kaisern Claudius (43-54) und Vespasian (69-79) führten schließlich zu einer dauerhaften Eingliederung Südhessens in das römische Herrschaftsgebiet. In Groß-Gerau und Gernsheim entstanden Militärlager, in deren Umfeld sich Siedlungen entwickelten.

Um 85 n. Chr. richtete Domitian (81-96) die Provinz Obergermanien mit der Hauptstadt Mainz (Mogontiacum) ein. In dieser Zeit begann man mit dem Anlegen des Limes in Taunus und Wetterau. Bis etwa 120 wurden die Kastelle im Hessischen Ried geräumt und die Truppen an den Odenwaldlimes verlegt. Dieburg bildete nun den Sitz der regionalen Verwaltung. Nach der Mitte des 3. Jahrhunderts wurde auch Südhessen von großen Teilen der Bevölkerung verlassen; die direkte römische Herrschaft hatte nach rund 180 Jahren ein Ende gefunden.

Römische Militäranlagen in der Gemarkung Nauheim


Die Existenz römischer Militärlager im Süden Nauheims ist lange bekannt. 1910 entdeckte man bei Grabungen im germanischen Gräberfeld auf dem "Seichböhl" die Gräben der Anlage A.

Ende des 20. Jahrhunderts beobachtete man in Luftaufnahmen rund 650 m südöstlich in der Gewann "Herrenwiese" Spuren eines weiteren Doppelgrabensystems. Diese Bilder sowie die mit Mitteln der Regionalpark Rhein-Main Südwest GmbH im Jahr 2000 durchgeführten geomagnetischen Messungen erlauben, die Gräben auf einer Länge von über 200 m in Nord-Süd- und rund 450 m in Ost-West-Richtung zu verfolgen (Lager B). Sie bilden die südwestliche Ecke eines römischen Militärstützpunkts, der die Größe von über 20 ha besaß und damit Platz für über Tausend Soldaten bot.


Bei Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen im Jahr 2003 gelang der Nachweis von zwei rund 2,50 m breiten und noch 0,9 m tiefen Gräben. Die Profile zeigen, dass die für Anlagen des römischen Militärs typischen Spitzgräben im unteren, sandigen Bereich von durchfließendem Wasser ausgespült wurden. Hinweise auf eine feste Umwehrung oder eine dauerhafte Innenbebauung fanden sich nicht.

Bei den Anlagen in der Nauheimer Gemarkung handelt es sich um kurzzeitig besetzte Marschlager des römischen Heeres. Hinter dem Schutz der Gräben und eines aufgeworfenen Erdwalles lagerten die Truppen in Zelten oder leichten Holzbauten. Ihre Entstehung steht im Zusammenhang mit den Vorstößen, die das römische Heer im Lauf des 1. Jahrhunderts n. Chr. von seiner Operationsbasis in Mainz in den rechtsrheinischen Raum unternahm.

Seit Dezember 2005 stehen zwei Infotafeln und ein Reliefstein, der einen berittenen römischen Soldaten zeigt, an der L 3040 zwischen Nauheim und Trebur, etwa dort, wo sich die Reste der römischen Militärlager unter Äckern und Obstbäumen verbergen. An Ort und Stelle kann man nachlesen, was sich hier vor fast 2000 Jahren zugetragen hat.

 

Römer 1

 

Römer 2