Die Bürgerinitiativen - 50 Jahre Widerstand gegen Flughafenausbau

Erste Räumungsaktion Herbst 1980 (Foto: Walter Keber)Bereits in den 1960er Jahren plante man am Frankfurter Flughafen eine dritte Bahn, die sogenannte Startbahn 18-West. Zunächst in Mörfelden-Walldorf und nach und nach in allen anderen Gemeinden und Städten rund um den Flughafen begannen Bürgerinnen und Bürger, sich gegen das permanente Wachstum des Frankfurter Flughafens, verbunden mit der Rodung von Wäldern und dem Anstieg des Fluglärms, zu wehren. Nachdem im Oktober 1980 der Bau der Startbahn vom zuständigen Verwaltungsgericht für rechtmäßig erklärt wurde, spitzte sich die Situation zu. Ein von den Bürgerinitiativen initiiertes Volksbegehren, für das über 120.000 Unterschriften gesammelt wurden und für das in Wiesbaden im November 1981 ebenso viele Menschen demonstrierten, wurde nicht anerkannt. Die Hessische Landesregierung konnte den Bau der Startbahn 18-West nur mit Hilfe massiver Polizeieinsätze durchsetzen. Die Startbahn wurde im April 1984 ohne  Eröffnungsfeierlichkeiten in Betrieb genommen. In den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Startbahn 18-West aus dem Jahr 1976 schrieb man die Sätze:

 

"Die Befürchtungen, dass später eine weitere Start- oder Landebahn - etwa parallel zur Bahn 18-West errichtet werden könnte, entbehren jeder Grundlage. Die Genehmigung einer solchen Maßnahme wird auf keinen Fall erteilt."

 

Die Befürchtungen waren berechtigt. Bereits 2007 genehmigte das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr - entgegen allen vorherigen Versprechungen - eine vierte Bahn am Frankfurter Flughafen, die Landebahn Nordwest.

 

Immer noch kämpfen die Menschen, die rund um den Flughafen leben, in Bürgerinitiativen gegen den ständigen Ausbau des Frankfurter Flughafens. Mittlerweile über 200 Demonstrationen und Mahnwachen direkt im Terminal des Flughafens zeugen davon, dass die Menschen in der Region mit dem Frankfurter Flughafen längst nicht ihren Frieden geschlossen haben. Das Demonstrationsrecht auf dem Flughafengelände mussten sich die Demonstranten dabei durch eine Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichtes erstreiten. Vor diesem Urteil ließ die Flughafenbetreiberin sämtliche Demonstrationen mit Verweis auf ihr Hausrecht von der Polizei verhindern. Erst die Karlsruher Richter stellten klar, dass Bahnhöfe und Flughäfen öffentliche Orte seien, an denen das im Grundgesetz verbriefte Demonstrationsrecht gelte.

 

Auch in Nauheim setzt sich die Bürgerinitiative Lebenswertes Nauheim für besseren Schutz vor Fluglärm, für Kapazitätsbegrenzungen am Frankfurter Flughafen und gegen jeden weiteren Flughafenausbau ein.