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Laudatio von Gemeindevertretervorsteher Lars Nitschke zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Annemarie Dammel am 19.09.2026

Liebe Anne,

sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
bevor ich ganz persönlich über Anne spreche,
möchte ich zunächst noch einmal darauf eingehen, wie es überhaupt zu diesem besonderen Tag gekommen ist.
Denn auch die Geschichte hinter dieser Ehrenbürgerschaft passt, wie ich finde, ziemlich gut zu Anne.
Der Anstoß dafür kam nämlich nicht aus dem Rathaus. Und er kam auch nicht aus der Gemeindevertretung.
Er kam von zwei Nauheimerinnen.
Marita May und Marion Wolf, zwei Nachbarinnen und Wegbegleiterinnen von Anne, haben sich im vergangenen Jahr an die Gemeinde gewandt und vorgeschlagen, Anne Dammel das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Nauheim zu verleihen.

Sie haben in ihrem Antrag einen Menschen beschrieben, der viel geleistet,
viel bewegt
und viele Menschen motiviert hat. Einen Menschen, der für andere da ist,
Menschen zusammenbringt
und für viele zum Vorbild geworden ist.
Und am Ende ihres Schreibens stand ein eigentlich ganz einfacher Satz:
Anne Dammel hat die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde mehr als verdient.
Aus diesem persönlichen Vorschlag zweier Wegbegleiterinnen wurde schließlich eine Beschlussvorlage – und am 18. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Gemeindevertretung darüber zu entscheiden.
Das Ergebnis hätte eindeutiger kaum sein können:
29 Ja-Stimmen. Keine Gegenstimme. Keine Enthaltung.
Einstimmig beschlossen.

Und ich glaube, dieses einstimmige Votum sagt bereits sehr viel aus.
Denn seien wir ehrlich: In einer Gemeindevertretung sind wir wahrlich nicht immer einer Meinung.
Das müssen wir auch gar nicht sein. Unterschiedliche Auffassungen, Diskussionen und manchmal auch Streit gehören zur Demokratie dazu.
Aber es gibt eben diese besonderen Momente, in denen über Fraktions- und Parteigrenzen hinweg Einigkeit darüber besteht, dass ein Mensch Außergewöhnliches für unsere Gemeinde geleistet hat.
Und ich finde, auch das gehört heute zu dieser Ehrung dazu:
Die gesamte Gemeindevertretung hat gemeinsam gesagt: Danke, Anne.

Liebe Anne,
ich persönlich könnte mich über diese Entscheidung kaum mehr freuen.

Nicht nur, weil wir heute einen Menschen für ein außergewöhnliches und jahrzehntelanges Engagement auszeichnen.
Sondern auch, weil mit dir zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gemeinde eine Frau die Ehrenbürgerwürde Nauheims erhält.
Und ich finde, auch das macht diesen Tag zu einem besonderen Moment in der Geschichte unserer Gemeinde.
Aber für mich gibt es noch einen weiteren Grund, weshalb mir diese Ehrung auch persönlich so viel bedeutet.
Denn ich darf heute nicht nur als Gemeindevertretervorsteher über Anne Dammel sprechen.
Ich darf über einen Menschen sprechen, der mich selbst ein langes Stück meines Weges begleitet hat.
Und dabei könnte der Zeitpunkt unserer heutigen Ehrung eigentlich kaum passender sein.
Denn morgen ist Weltkindertag.
Und wer Annes Wirken in Nauheim kennt, weiß, wie eng gerade der Einsatz für Kinder und Jugendliche mit ihrem Namen verbunden ist.

Über zwei Jahrzehnte war Anne Kinder- und Jugendbeauftragte unserer Gemeinde.
Sie hat sich für die Interessen junger Menschen eingesetzt und Projekte für Kinder und Jugendliche initiiert –
darunter auch das Kinder- und Jugendfest.
Dass wir ausgerechnet am Wochenende des Weltkindertages eine Frau zur Ehrenbürgerin machen, die einen so großen Teil ihres Engagements Kindern und Jugendlichen gewidmet hat, hätte eigentlich kaum passender sein können.
Und genau dort beginnt auch meine ganz persönliche Geschichte mit Anne.
Ich habe Anne als Kinder- und Jugendbeauftragte enger kennengelernt,
als ich selbst im Nauheimer Kinder- und Jugendparlament aktiv war.
Und wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, dann denke ich nicht zuerst an eine Amtsbezeichnung.
Ich denke an Anne.

An einen Menschen, der für uns da war. Der uns zugehört hat.
Der uns motiviert hat.
Und vor allem an einen Menschen, der uns ernst genommen hat.
Das klingt vielleicht zunächst selbstverständlich.
Aber gerade für Kinder und Jugendliche ist es das nicht immer.
Junge Menschen erleben häufig, dass ihnen gesagt wird, sie seien irgendwann einmal die Zukunft.
Dass sie später Verantwortung übernehmen sollen. Dass sie sich irgendwann einmal einbringen können.
Anne hat uns etwas anderes vermittelt.
Dass unsere Stimme schon jetzt zählt. Dass unsere Ideen wichtig sind.
Dass wir eine Meinung haben dürfen. Dass wir Forderungen stellen dürfen.
Und dass auch junge Menschen ihre Gemeinde mitgestalten können.
Das Kinder- und Jugendparlament war für mich ein Ort, an dem ich genau das erleben durfte.
Und Anne war ein ganz wichtiger Teil davon.

Sie hat uns nicht vorgeschrieben, was wir denken sollen. Sie hat uns vielmehr darin bestärkt, selbst unsere Stimme zu erheben.
Sie hat uns begleitet und unterstützt. Und sie hatte immer ein offenes Ohr.
Für mich ist Anne dadurch über die Jahre zu einer Vertrauensperson geworden.
Und ich glaube, ich bin bei Weitem nicht der Einzige, der das so erlebt hat.
Ob in den Sitzungen des Kinder- und Jugendparlaments, bei den Vorbereitungstreffen zum Kinder- und Jugendfest oder bei vielen anderen Veranstaltungen und Begegnungen – ich habe jeden Anlass genossen, bei dem wir zusammenarbeiten konnten.
Ich habe jedes Gespräch genossen, das wir über die verschiedensten Themen geführt haben.
Und deshalb ist es für mich heute auch ganz persönlich ein besonderer Moment, hier vor dir zu stehen.
Heute darf ich als Gemeindevertretervorsteher hier stehen und dir im Namen der Gemeindevertretung die höchste Auszeichnung überreichen, die unsere Gemeinde vergeben kann.
Das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Und vielleicht zeigt gerade dieser kleine persönliche Bogen etwas, was wir bei ehrenamtlichem Engagement manchmal unterschätzen.
Wer sich für andere Menschen einsetzt, weiß häufig gar nicht, was daraus einmal entstehen kann.
Wer einem jungen Menschen zuhört, weiß nicht, welchen Weg dieser Mensch später gehen wird.
Wer jemanden ermutigt, weiß nicht, wann dieser Mut vielleicht gebraucht wird.
Wer Menschen zusammenbringt, kann nicht wissen, welche Freundschaften, Ideen oder neuen Projekte daraus entstehen.
Aber all diese kleinen Dinge hinterlassen Spuren.
Und du hast Spuren hinterlassen, liebe Anne.
Bei mir.
Bei vielen jungen Menschen. Bei deinen Landfrauen.
Bei deinen Nachbarinnen und Nachbarn.
Und bei unzähligen Menschen, denen du in den vergangenen Jahrzehnten begegnet bist.

Denn für mich verbindet all diese Dinge etwas:
deine Haltung gegenüber anderen Menschen.
Unsere Gesellschaft lebt vom gemeinsamen Miteinander.
Und dieses Miteinander entsteht nicht durch Beschlüsse, Satzungen oder Institutionen allein.
Es entsteht durch Menschen.
Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die ihre Zeit investieren.
Die Ideen haben und dann nicht darauf warten, dass jemand anderes sie umsetzt.
Durch Menschen, die andere zusammenbringen. Die zuhören.
Die helfen.
Die Mut machen.
Und die da sind, wenn sie gebraucht werden.
Genau das verkörperst du für mich in ganz besonderem Maße.

Und deshalb möchte ich an diesem besonderen Tag auch den Blick ein Stück weit über Anne hinaus richten.
Denn wir haben in Nauheim glücklicherweise sehr viele Menschen, die sich jeden Tag für unsere Gemeinschaft einsetzen.
In Vereinen und Initiativen. Bei der Feuerwehr.
Im sozialen Bereich. In Kultur und Sport.
In der Kinder- und Jugendarbeit. In der Nachbarschaft.
Und an vielen anderen Stellen, die manchmal überhaupt nicht öffentlich wahrgenommen werden.
Nicht jeder Mensch, der sich engagiert, erhält dafür eine Urkunde.
Und schon gar nicht jeder wird Ehrenbürgerin oder Ehrenbürger.
Aber jeder einzelne dieser Menschen trägt dazu bei, dass unsere Gemeinde mehr ist als ein Ort, an dem wir zufällig nebeneinander wohnen.
Sie machen aus einem Ort eine Gemeinschaft.

Deshalb wünsche ich mir, dass diese Ehrenbürgerschaft heute nicht nur eine Würdigung dessen ist, was Anne in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hat.
Ich wünsche mir, dass sie auch Mut macht.
Dass sie Menschen motiviert, weiterzumachen.
Dass sie vielleicht sogar andere dazu bringt, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Und dass sie zeigt:
Engagement wird gesehen. Engagement hinterlässt Spuren.
Und Engagement kann eine Gemeinde verändern.
Gerade in einer Zeit, in der wir häufig darüber sprechen, was in unserer Gesellschaft nicht funktioniert, finde ich es wichtig, auch über diejenigen zu sprechen, die jeden Tag dafür sorgen, dass sie funktioniert.
Menschen wie dich, liebe Anne.
Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die von diesem heutigen Tag ausgehen kann:
Wie viel ein einzelner Mensch für eine Gemeinschaft bewirken kann.

Liebe Anne,
du hast genau das getan.
Und deshalb freue ich mich sehr, dass ich gerade in meiner noch neuen Funktion als Gemeindevertretervorsteher heute hier stehen und diese besondere Ehrung begleiten darf.
Vor allem aber freue ich mich darüber, dass diese Ehrung dir gilt.
Dir gebührt mein größter Respekt und mein tief empfundener Dank.
Danke für all die Jahre,
in denen du dich für Nauheim eingesetzt hast.
Danke für all die Menschen, für die du da warst.
Danke dafür, dass du Kindern und Jugendlichen zugehört, ihnen etwas zugetraut und ihnen eine Stimme gegeben hast.
Und ganz persönlich:
Danke dafür, dass auch ich einer dieser jungen Menschen sein durfte.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Anne.
Zur Ehrenbürgerschaft unserer Gemeinde. Und ganz besonders dazu, als erste Frau in der
Geschichte Nauheims diese besondere Auszeichnung zu erhalten.
Du hast sie dir mehr als verdient.

25.09.2026