Baum des Monats – Die Europäische Schwarzpappel (Populus nigra)

Nauheim, den 02.06.2020
Pappeln sind besser als ihr Ruf

 

Pappeln sind heutzutage nicht sonderlich beliebt. Als Straßenbäume bedürfen alte Pappeln der Aufmerksamkeit, da ihre Kronen oft abgestorbene Äste enthalten und auch lebende Äste bei Pappeln oft leichter abbrechen als bei anderen Baumarten. Die flachen Pappelwurzeln heben zudem oft das Pflaster von Gehwegen oder den Straßenbelag an. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden vielerorts Hybridpappeln, eine Kreuzung mit der amerikanischen Pappel, gepflanzt. Das Holz der schnellwachsenden Bäume sollte rasch geerntet werden und hohen Ertrag bringen. Die Rechnung ging nicht auf. Pappelholz, obwohl eigentlich vielseitig verwendbar, wurde immer unbeliebter. Auch bei Naturschützern geriet die Hybridpappel in Verruf, weil sie angeblich ökologisch nutzlos sei. Heute sieht man die Sache etwas differenzierter: So dient sie durchaus vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum und ist zudem ein effizienter Biofilter für belastetes Oberflächenwasser.

 

Die Pappel auf der roten Liste der bedrohten Pflanzenarten

 

Die echte Europäische Schwarzpappel unterscheidet sich äußerlich kaum von der Hybridpappel. Sie ist außerordentlich selten geworden und fand deshalb Einzug in die roten Listen der bedrohten Arten. Im Jahr 2006 wurde die Europäische Schwarzpappel Baum des Jahres und seitdem steht auch ein Exemplar, gestiftet vom Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, in Nauheim am Lärmschutzwall.

 

In der ursprünglichen europäischen Naturlandschaft war die Schwarzpappel ein Pionierbaum, der die Kies- und Sandbänke wilder Flüsse besiedelte. Mit der Begradigung und Regulierung der Flüsse seit den vergangenen 200 Jahren verloren die Schwarzpappeln die Möglichkeit zur natürlichen Vermehrung.

 

Schwarzpappeln können eine Wuchshöhe von bis zu 30 Metern und ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Viele Tier- und Pflanzenarten wie Bockkäfer, Schmetterlinge und Pilze profitieren von Pappeln oder sind sogar auf sie angewiesen.

 

Foto: Europäische Schwarzpappel am Lärmschutzwall, gepflanzt im Jahr 2006