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Haushalt 2026: Konsolidierung findet statt

Liebe Nauheimerinnen und Nauheimer,

viele von Ihnen haben die Sitzungen der Gemeindevertretung am 18. und 25. Juni im Bürgersaal verfolgt. Für Ihr Interesse, Ihre Teilnahme und Ihr Engagement für unsere Gemeinde danke ich Ihnen herzlich.

In der Sitzung vom 25. Juni wurde ein vom Gemeindevorstand gemeinsam eingebrachter Vorschlag zur vorsorglichen Anpassung der Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuer einstimmig abgelehnt. Hintergrundinformationen dazu können Sie der veröffentlichten Präsentation entnehmen.


Die Diskussionen der vergangenen Tage haben aber auch gezeigt, dass es viele Fragen zur finanziellen Situation unserer Gemeinde und zum eingebrachten Haushaltsentwurf 2026 gibt. Insbesondere die wiederholt geäußerte Aussage, der Haushalt enthalte „keine Konsolidierung“ oder sei lediglich ein „Weiter so“, möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen.


Die Zahlen sprechen eine andere Sprache


Ich habe nicht nur die Presse, sondern insbesondere auch die öffentliche Debatte als auch die auf Social Media aufmerksam verfolgt. Dies wurde um nicht nur wenige persönliche Gespräche mit Nauheimer Bürgern und Bürgerinnen ergänzt. Kritik und unterschiedliche politische Positionen – davon bin ich fest überzeugt – gehören unbedingt zu einer lebendigen Demokratie. Was mich allerdings ehrlich gesagt überrascht hat, waren pauschale politische Aussagen, die den Eindruck vermitteln, es habe keinerlei ernsthafte Bemühungen gegeben, die finanzielle Situation der Gemeinde zu verbessern.
Wer sich die eingebrachten Zahlen anschaut, erkennt ein anderes Bild.


Während der Haushalt 2025 bereits vor meinem Amtsantritt durch den Gemeindevorstand im März letzten Jahres beschlossen wurde und von mir dann im April so zu übernehmen war, ist der Haushalt 2026 der erste Haushalt, der vollständig unter meiner Verantwortung als Bürgermeister und unter aktiver Mitwirkung von den Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung und insbesondere dem Gemeindevorstand erarbeitet wurde.
Er trägt dieses Mal daher auch meine zwingend erforderliche Handschrift mit – und diese Handschrift ist auch messbar:


Reduzierung von Investitionsauszahlungen von 4,80 Mio. Euro auf 2,74 Mio. Euro (-2,06 Mio. Euro bzw. -43 %)
Reduzierung von Sachinvestitionen von 1,69 Mio. Euro auf 694.000 Euro (-1,0 Mio. Euro bzw. -59 %)
Reduzierung von Baumaßnahmen von 2,63 Mio. Euro auf 1,79 Mio. Euro (-844.000 Euro bzw. -32 %)
Reduzierung von Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen um rund 267.000 Euro trotz eines deutlichen Kostenzuwachses, u. a. zur Unterstützung des TV Sportkindergartens
Diese Zahlen stehen somit nicht für vage Absichtserklärungen, sondern für konkrete Entscheidungen.


Unterschiedliche politische Bewertungen – gemeinsame Verantwortung


Selbstverständlich gehören unterschiedliche politische Bewertungen zum demokratischen Diskurs. Umso mehr begrüße ich, dass die SPD die finanzielle Ausgangslage nicht nur grundsätzlich realistisch beschreibt, sondern auch anerkennt, dass Nauheim vor erheblichen strukturellen Herausforderungen steht, denen man sich nicht verschließen darf.


Weniger nachvollziehbar sind für mich hingegen pauschale Vorwürfe, es fehle an Konsolidierung oder einem Gesamtkonzept. Wer von einem „Weiter so“ spricht, sollte wiederum erklären können, wie Investitionskürzungen von über 2 Millionen Euro, die Reduzierung der Sachinvestitionen um rund 1 Million Euro, deutliche Einsparungen bei Baumaßnahmen sowie zahlreiche Kürzungen in den Teilhaushalten einzuordnen sind.
Ebenso greift die Behauptung zu kurz, „die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht“.


Die vorliegenden Zahlen zeigen vielmehr, dass Verwaltung und Gemeindevorstand genau dies getan haben – und zwar bei den eigenen Ausgaben, und eben nicht für die sogenannten „freiwilligen Leistungen“ für unsere Vereine, unsere Kultur, unsere Musik, unsere wertvolle Kinder- und Jugendarbeit und vor allem für das gesellschaftliche Leben Nauheims – dies alles haben wir nämlich nicht in Frage gestellt!


Die eigentliche Herausforderung besteht heute nicht darin, Einsparungen zu erkennen, sondern darin, die Folgen jahrelang steigender Umlagen, Personalkosten und Preise verantwortungsvoll zu bewältigen.


Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht


Bei aller Diskussion über Hebesätze und Haushaltszahlen ist mir ein Punkt besonders wichtig: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und zwar dort, wo wir unmittelbar Verantwortung tragen.


Die Konsolidierungsmaßnahmen finden sich nahezu ausschließlich in den Pflichtaufgaben der Verwaltung wieder:
• Reduzierung von Investitionen
• Priorisierung von Projekten
• Überprüfung und Absenkung von Budgets
• Zurückstellung nicht zwingend notwendiger Anschaffungen
• Vereinheitlichung von Standards
• zahlreiche kleine und mittlere Einsparungen über nahezu alle Teilhaushalte hinweg


Dabei haben wir bewusst darauf geachtet, die Bereiche, die Nauheim lebenswert machen, möglichst gar nicht zu belasten. Die Förderung von Kultur, Musik, Vereinen, Ehrenamt, Jugendarbeit und vielen weiteren freiwilligen Leistungen findet sich im Haushaltsentwurf weitgehend unverändert wieder.
Denn genau diese Angebote machen unsere Gemeinde aus. Sie schaffen Gemeinschaft, Begegnung und Lebensqualität. Sie prägen Nauheim nicht nur unter der Woche, sondern auch an Wochenenden und in der Freizeit.
Deshalb war unser Ansatz klar: Zuerst bei uns selbst sparen – bevor wir bei dem sparen, was das gesellschaftliche Leben unserer Gemeinde trägt.

Die eigentlichen Kostentreiber liegen außerhalb des Rathauses


Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, die Ursachen der Entwicklung offen zu benennen. Seit der letzten Anpassung der Hebesätze im Jahr 2014 – also vor 12 Jahren – haben sich drei zentrale externe Kostenfaktoren dramatisch verändert und es wurde hierzu leider nie aktiv nachgesteuert:
• Die Kreis- und Schulumlage ist von rund 5,34 Mio. Euro auf 12,47 Mio. Euro jährlich gestiegen – mehr als eine Verdoppelung (Faktor 2,3).
• Die Personalkosten sind aufgrund tariflicher Abschlüsse um rund 41 Prozent gestiegen.
• Die Inflation hat sich seit 2014 auf rund 33 Prozent summiert.

  • Entwicklung Kreis- und Schulumlage 2014- 2026

    Entwicklung Kreis- und Schulumlage 2014 - 2026

  • Entwicklung Tarifgehälter 2014- 2026

    Entwicklung Tarifgehälter 2014 - 2026

  • Inflation in Deutschland 2014-2026

    Inflation in Deutschland 2014-2026

Diese Entwicklung betrifft sicherlich nicht nur Nauheim. Sie betrifft Kommunen im ganzen Landkreis und darüber hinaus in ganz Deutschland.

Genau deshalb haben wir uns gemeinsam mit vielen Städten und Gemeinden am bundesweiten Aktionstag »Kommunen am Limit« am 22. Juni 2026 beteiligt.
Die zentrale Botschaft lautet: Bund und Länder übertragen den Kommunen immer mehr Aufgaben, ohne gleichzeitig für eine ausreichende finanzielle Ausstattung zu sorgen. Die Folge spüren Städte und Gemeinden bundesweit.


Warum wurde eine vorsorgliche Steueranpassung vorgeschlagen?


Der Vorschlag des Gemeindevorstands verfolgte ein einfaches Ziel:
Die Gemeindevertretung sollte sich die Möglichkeit offenhalten, nach Abschluss der Haushaltsberatungen im Herbst auf die dann festgestellte tatsächliche finanzielle Lage reagieren zu können.
Wichtig zu wissen ist: Die eingebrachte Beschlussfassung hätte nicht zu einer unmittelbaren Mehrbelastung für Sie als Bürgerinnen und Bürger, Landwirte oder Gewerbetreibenden geführt. Sie hätte lediglich die rechtliche Grundlage geschaffen, falls im Herbst eine Anpassung erforderlich geworden wäre. Diese Möglichkeit besteht nun aufgrund des Beschlusses der Gemeindevertretung und aufgrund des Überschreitens des 30. Juni als relevanten Stichtag für das laufende Jahr nicht mehr.


Politische Entscheidungen haben finanzielle Konsequenzen


Ich bedauere persönlich sehr, dass wir überhaupt über Steuererhöhungen sprechen müssen. Niemand fordert solche Maßnahmen gerne und schon gar nicht leichtfertig.
Gleichzeitig bin ich der festen Überzeugung, dass es verantwortungsvoll ist, Probleme frühzeitig anzusprechen und nicht darauf zu hoffen, dass sie sich von allein lösen.
Aus meiner Sicht sind wir seit der letzten Hebesatzanpassung im Jahr 2014 sehenden Auges in eine Situation hineingelaufen, in der steigende Umlagen, steigende Personalkosten und Inflation Jahr für Jahr Kaufkraft und Handlungsspielräume der Kommune aufgezehrt haben.
Das scheinbar jahrelange Hoffen auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ist nach meiner Überzeugung nicht die Lösung.


Dass durch die Fraktionen am vergangenen Donnerstagabend die angestrebte Option zur finanziellen Nachsteuerung in 2026 politisch nicht zugelassen wurde, lässt unsere finanziellen Herausforderungen leider nicht verschwinden. Vielmehr wird uns diese Entscheidung voraussichtlich im Haushalt 2027 deutlich stärker einholen und damit noch massiver beschäftigen. Zumal der Gemeinde Nauheim – politisch gewollt – de facto die Möglichkeit genommen wurde, einen ausgeglichenen Haushalt in 2026 zu beschließen. Stattdessen müssen nun Kreditverbindlichkeiten eingegangen und Darlehenszinsen gezahlt werden.
Das ist übrigens keine politische Bewertung von mir, sondern schlicht die Konsequenz finanzmathematischer Zusammenhänge.


Lehren für die Zukunft


Für mich ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Kommunale Finanzen brauchen einen regelmäßigen und transparenten Überprüfungsprozess.
Es darf nicht Ziel sein, Steuerhebesätze über viele Jahre unverändert zu lassen und dadurch irgendwann zu sprunghaften und erheblichen Anpassungen gezwungen zu werden.
Stattdessen braucht es regelmäßige Bewertungen der finanziellen Entwicklung und gegebenenfalls rechtzeitige, maßvolle Anpassungen.
Nicht, um Bürgerinnen und Bürger, Landwirte oder Gewerbetreibende stärker zu belasten. Sondern um genau das Gegenteil zu erreichen: Planbarkeit und Verlässlichkeit und letztendlich auch Ehrlichkeit und Transparenz.


Gemeinsam Verantwortung übernehmen


Mein Wunsch für die nun kommenden Haushaltsberatungen nach der Sommerpause ist das konstruktive Zusammenwirken von Gemeindevertretung, Gemeindevorstand, Verwaltung und Bürgerschaft. Die Herausforderungen sind groß. Aber sie werden nicht kleiner, indem man sie ignoriert.
Abschließend bleibt meines Erachtens eins noch einmal klar festzuhalten: Die Zahlen des Haushalts 2026 zeigen aus meiner Sicht sehr deutlich, dass Nauheim bereits konsolidiert. Nicht nur punktuell, sondern strukturell. Nicht auf Kosten des Ehrenamts, der Vereine oder der kulturellen Vielfalt. Sondern zunächst durch Einsparungen und Priorisierungen in den eigenen Aufgabenbereichen. Darauf können wir aufbauen. Und genau darüber sollten wir gemeinsam sprechen.

Sie haben Fragen?
Dann sprechen Sie mich gerne jederzeit an: Buergermeister@Nauheim.de

Ich wünsche Ihnen eine geruhsame Sommerzeit.

Herzliche Grüße,


Ihr Marc Friedrich
Bürgermeister
Gemeinde Nauheim